DE | FR | IT

Hypoglykämie

Am Donnerstag, 7. Juni 2012, stand Dr. med. Doris de Marco zum Thema "Hypoglykämie" Rede und Antwort.

Betroffene und Interessierte konnten sich wärend dieses Abends direkt online an die Fachärztin wenden.

Expertin:
Dr. med. Doris de Marco, Endokrinologie-Diabetologie FMH


Protokoll vom 7. Juni "Hypoglykämie"

Marianne K. fragt:
Ich habe bereits mehrmals Erfahrung mit einer leichten Unterzuckerung gemacht und konnte mir hier jeweils rechtzeitig selbst helfen, indem ich etwas zuckerhaltiges gegessen oder getrunken habe. Trotzdem bleibt die Angst, dass ich die Anzeichen mal nicht rechtzeitig erkennen könnte - was muss ich im Falle einer schweren Unterzuckerung tun?

Dr. med. Doris de Marco:
Liebe Frau K.
Durch die Tatsache, dass Sie leichte Hypoglykämien gut verspüren, denke ich, dass Ihre Hypoglykämie-Wahrnehmung gut funktioniert und das Risiko einer schweren, nicht verspürten Hypoglykämie gering ist. Wichtig sind dennoch: Personen über Ihre Diagnose und die Behandlungsmöglichkeiten bei einer Unterzuckerung informieren, Kohlenhydrate rasch und langsam wirksame auf sich tragen, ebenso einen Diabetiker-Ausweis.


Bruno M. fragt:
Bei mir wurde vor einiger Zeit Diabetes festgestellt. Seitdem spritze ich mehrmals pro Tag und mein Blutzucker hat sich relativ gut stabilisiert. Vor wenigen Tagen ist es mir passiert, dass ich nach dem Mittagsschlaf mit einem Schweissausbruch und ganz zittrig erwacht bin. Das zittrige Gefühl ging den ganzen Nachmittag nicht weg, obwohl ich gleich etwas gegessen habe. Ist das normal und was kann ich dagegen tun?

Dr. med. de Marco:
Lieber Herr M.
bei dem Ereignis, das Sie beschreiben, hat es sich wahrscheinlich um eine Unterzuckerung gehandelt. Nach dem Essen können Unterzuckerungen auftreten, meistens wenn zu wenig Kohlenhydrate gegessen oder zuviel Essensinsulin injiziert wurde. Falls wieder gleichartige Beschwerden auftreten, würde ich, falls möglich, als erstes Blutzucker messen um die Verdachtsdiagnose zu erhärten und dann 10 g rasch wirksame Kohlenhydrate  und anschliessend noch 10-20 g langsam wirkende Kohlenhydrate einnehmen. 


Dieter K. fragt:
Bei mir wurde schon früh Diabetes Typ 1 diagnostiziert (heute bin ich über 50) und auch wenn ich meine Behandlung gut im Griff habe, litt ich doch schon mehrmals unter einer schweren Unterzuckerung und habe in den verschiedensten Situationen das Bewusstsein verloren. Ich habe allerdings das Gefühl, dass die schweren Anfälle mit dem älter werden zunehmen - gibt es hier Studien oder Erfahrungswerte, die mein persönliches Empfinden belegen?

Dr. med. Doris de Marco:
Lieber Herr K.
Es ist leider oftmals so, was auch diverse Studien belegen, dass mit zunehmender Diabetes-Dauer und vor allem auch sehr guter Einstellung, die Fähigkeit, Hypoglykämien zu verspüren, abnimmt, ebenso die Gegenregulation. Als wichtige Massnahme gilt, nebst häufigen Blutzuckermessungen, Hypoglykämien über eine längere Zeit, d.h. 2-3 Monate zu vermeiden, auch wenn dadurch die Diabetes-Einstellung insgesamt etwas schlechter wird. Dadurch kann die Hypoglykämie-Wahrnehmung manchmal wieder verbessert werden. Eine weitere Möglichkeit jetzt, zum Vermeiden solcher Hypoglykämien, ist die Diabetes-Einstellung mit dem kombinierten System Insulinpumpe/Sensor für 24-Std.-Blutzuckermessung, das Sie mit Ihrem behandelnden Diabetologen diskutieren können.


Susanne H. fragt:
Als alleinerziehende Mutter arbeite ich neu 50% im Sekretariat eines internationalen Unternehmens. Mein neues Arbeitsumfeld kenne ich noch nicht so gut und möchte nicht, dass alle meine neuen Arbeitskollegen wissen, dass ich Diabetes-Betroffene bin. Was raten Sie mir zu unternehmen, damit trotzdem jemand reagieren kann, wenn eine Hypoglykämie eintritt?

Dr. med. Doris de Marco:
Liebe Frau H.
Wichtig sind regelmässige und häufige Blutzuckermessungen, um sinkende Blutzuckertendenzen frühzeitig zu erkennen und Gegenmassnahmen zu ergreifen. Rasch und langsam wirksame Kohlenhydrate sollten gut greifbar sein. Weiter könnten Sie eine Arbeitskollegin/einen Arbeitskollegen, der Ihr Vertrauen geniesst, einweihen. Wichtig finde ich zudem einen Diabetes-Ausweis in der Tasche/im Portemonnaie oder auch am Arbeitsplatz.


Sophie H. fragt:
Ich habe gehört, dass auch Medikamente, die nicht zur Behandlung des Diabetes eingesetzt werden, den Blutzucker sinken lassen können. Können Sie mir bitte sagen, welche Medikamente dies sind oder worauf ich achten muss?

Dr. med. Doris de Marco:
Liebe Frau H.
Salicylsäure (z.B. Aspirin) und Derivate, Sulfonamid-Antibiotika (z.B. Cotrimoxazol), Propranolol (Beta-Blocker) können Hypoglykämie-Symptone maskieren und auch Alkohol kann den Blutzuckerspiegel absenken. Beim Nicht-Diabetiker sinken die Blutzuckerwerte aber nicht in einen bedrohlich tiefen Bereich.

 


Gaby S. fragt:
Mein neuer Partner ist von Diabetes Typ 1 betroffen – wie kann ich ihm bei einer Hypoglykämie im Notfall helfen und wie erkenne ich, wie stark seine Wahrnehmung bereits beeinträchtigt ist? Vielen Dank für Ihre Antwort.

Dr. med. Doris de Marco:
Liebe Frau S.
Zuerst: sprechen Sie mit Ihrem Partner über seinen Diabetes, seine Hypoglykämiewahrnehmung, seine Hypoglykämie-Symptome und auch über seine Gegenmassnahmen. Gut ist, wenn auch Sie  Blutzuckermessungen durchführen können. Falls er die Hypoglykämien nicht sicher verspürt, d.h. wenn er sich aussergewöhnlich verhält, z.B. undeutlich spricht, unklare Antworten gibt, vielleicht sogar gereizt ist, ist es gut, wenn auch Sie Traubenzucker/Orangensaft/CocaCola in Ihrer Nähe haben und dies ihm im Notfall verabreichen. Falls er gelegentlich keine Hypoglykämie-Anzeichen/-Symptome verspürt und nicht mehr ansprechbar ist, können Sie zum Glucagon-Spritzen instruiert werden. Hilfreich ist auch, wenn Sie ihn hin und wieder in die Diabetes-Sprechstunde begleiten.


Bestellen Sie jetzt die Broschüre "Diabetische Nephropathie"
Online-Shop